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Projekt 1

Kurzfilm zum Notations-GrundschulprojektSpiel mit Klängen und Gesten – Ein Grundschulprojekt

Zwölftonmusik eilt häufig der Ruf voraus, sie sei intellektuell, spröde und gefühlskalt. Dieses hartnäckige Vorurteil wird von Boulez‘ Douze Notations auf überzeugende Weise widerlegt. So ist die Klaviersammlung kein abstraktes Konstrukt, sondern ein Werk von großer Ausdrucksintensität und Sinnlichkeit. Besonders hervor stechen dabei die gestischen Dimensionen der Musik und das Spiel mit unterschiedlichen, zum Teil scharf kontrastierenden musikalischen Charakteren.

 

Zwischen März und Juni 2012 erkundete eine dritte Klasse der Hövelschule aus Altenessen-Süd – ein Essener Stadtteil, in dem viele Kinder unter schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen aufwachsen – die gestischen Aspekte und den Ausdrucksreichtum des Boulez’schen Werkes. Der Annäherungsprozess an die vermeintlich schwierige Musik erfolgte dabei über die Kunst der Pantomime.

 

 

Körperarbeit mit Luftballon zur Vorbereitung der Pantomime(Foto: Ursula Kaufmann)Pantomime-Workshops

Nachdem die Grundschüler in einem gemeinsamen Einleitungsworkshop die Douze Notations zum ersten Mal gehört hatten, beschäftigten sie sich zunächst pantomimisch mit dem Werk. In Kleingruppen von vier bis sechs Kindern setzten sie ausgewählte Miniaturen in Gesten und Bewegungen um. Angeleitet wurden sie dabei von dem Pantomimen Aleksandar Acev.

 

Für die pantomimische Arbeit benötigten die Kinder nicht nur ein hohes Maß an Körperbeherrschung, innerer Ruhe und Konzentration, sondern auch den Mut, unterschiedliche Ausdruckscharaktere mit ihrem Körper so expressiv wie möglich darzustellen. Während sich einige pantomimische Sequenzen auf bestimmte Affekte oder Bewegungsmuster konzentrierten, lag anderen ein dramatischer Handlungsverlauf zugrunde. So inszenierten die Kinder, die sich mit Notation 4 beschäftigten, beispielsweise einen Konflikt zwischen zwei sich streitenden Parteien.

 

Durch die ständige Präsenz von Boulez‘ Werk bei der pantomimischen Arbeit konnten die Grundschüler dieses immer mehr verinnerlichen. Dabei war es beeindruckend zu erleben, mit welcher Offenheit und Ernsthaftigkeit sie sich auf eine Musiksprache einließen, die ihnen bis dahin völlig unbekannt gewesen war.

 

Am Ende der ersten Projektphase wurden die erarbeiteten pantomimischen Sequenzen zu den Notations Nr. 1, 2, 4, 5 und 7 von dem Filmemacher Michael Ciniselli und seinem Team aufgezeichnet – eine anspruchsvolle Tätigkeit, die das Durchhaltevermögen der Grundschüler auf die Probe stellte, ihnen jedoch zugleich die interessante Möglichkeit bot, sich selbst im Spiegel der Kamera zu sehen. Die in der Hövelschule und im Choreographischen Zentrum PACT Zollverein sowie dem benachbarten Zechengelände gedrehten Kurzfilme bildeten die Grundlage für die anschließende musikalische Arbeit.

 

 

Einrichtung der 12-Tonreihe (Foto: Mark Wohlrab)Musik-Workshops

In der zweiten Projektphase entwickelte jede Gruppe zu ihrem Notation-Kurzfilm eine eigene musikalische Umsetzung. Ein wichtiger Bezugspunkt der schöpferischen Arbeit war dabei jene Zwölftonreihe, die Boulez Klaviersammlung zugrunde liegt. Als Instrumentarium dienten chromatische Xylophone, Bassklangstäbe, Metallophone und Chime Bars.

 

Zunächst erkundeten die Drittklässler den Aufbau der Zwölftonreihe auf ihren Instrumenten und erprobten erste Verwendungsmöglichkeiten. Anschließend erarbeitete jede Gruppe ein eigenes Musikstück, das in offensichtlicher oder versteckter Weise auf Boulez‘ Musik Bezug nimmt. Die Brücke zwischen dem Werk des bedeutenden französischen Komponisten und der Klangwelt der Kinder bildeten dabei die gefilmten pantomimischen Sequenzen. Die Leitung der Musikworkshops lag bei Richard McNicol und Tobias Bleek.

 

 

Grundschüler präsentieren ihre selbst entwickelten Musikstücke(Foto: Mark Wohlrab)Projektpräsentation

Am 1. Juni 2012 stellten die Grundschüler ihre pantomimischen Kurzfilme und selbst entwickelten Musikstücke bei einer Präsentation des Klavier-Festivals Ruhr in Essen-Werden der Öffentlichkeit vor. Unterstützt wurden sie dabei von der Festival-Pianistin Tamara Stefanovich, die die Bezugsstücke aus Boulez‘ Douze Notations zur Aufführung brachte. Das Wechselspiel zwischen den Kurzfilmen, den Boulez’schen Miniaturen und der Musik der Kinder ließ viele interessante Querverbindungen zwischen der 1945 entstandenen Klaviersammlung und den schöpferischen Aktionen der Grundschüler sichtbar werden. Die begeisterten Zuhörer bekamen so einen spannenden Einblick in den Arbeitsprozess der Kinder und wurden zugleich auf unkonventionelle Weise an Boulez‘ Werk herangeführt.

Mechthild Bärens (Klassenlehrerin) über die Projektarbeit

Resultate des Grundschulprojekts: Pantomimische Szenen zu Boulez' Notations und eigene Musikstücke der Kinder

Notation 5

Notation 2

Notation 7

Notation 4

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